Eine Handreichung für Kirchengemeinden zur Friedensdekade

 Aus dem Vorwort von Michael Mildenberger ( Vorsitzender des AGDF)
"Wer kriegt was?" Das ist ein Motto, das wahrlich in unsere Zeit passt, in der die Gewinne der Großkonzerne und Banken und mit ihnen die Gehälter der Manager in schwindelnde Höhen wachsen, während Arbeitslose, Alleinerziehende mit ihren Kindern und viele andere nicht wissen, wie sie über die Runden kommen. Angesichts solcher Ungerechtigkeiten in der Verteilung kann einen schon der Zorn packen!
Wer kriegt was? Wenn wir die Verhältnisse weltweit in den Blick nehmen, bekommt unser Zorn noch eine andere Qualität. Er wird - hoffentlich! - noch kräftiger, denn es gibt in dem globalen Supermarkt, in dem wir hier immer noch zu den Wohlhabenden gehören, zwar alles zu kaufen, aber ungezählte Menschen sind davon ausgeschlossen, bleiben draußen vor der Tür. Wer kriegt was?
"Die größte Bedrohung des Friedens liegt in der Gier nach Reichtum. Immer mehr Güter häufen sich einseitig in immer weniger Händen, Reichtum und Macht konzentrieren sich einseitig in wenigen Zonen des Globus. Vor allem in den ärmeren Regionen der Welt wächst die Erdbevölkerung kontinuierlich. Es ist nicht möglich, über den Frieden, seine Herstellung und Sicherung zu reden, ohne die wirtschaftlichen Interessen und machtpolitischen Mechanismen beim Namen zu nennen, die dem Frieden entgegewirken. Denn sie verhindern eine gerechte Verteilung, bringen Verarmung hervor und zerstören Leben.
Das ist die erste in einer Reihe von Thesen, mit denen wir uns unter dem Motto " Der Frieden braucht uns!" während der diesjährigen FriedensDekade an christlich engagierte Menschen, an Gruppen und Kirchengemeinden wenden, um einen Prozess der Diskussion und Meinungsbildung in Gang zu bringen. Politik, Wirtschaft und Medien sagen uns: es gibt keine Alternative zum globalen Markt, es gibt keine Alternative zur Politik der militärischen Stärke! Wir laden Sie ein, mit uns über andere Wege nachzudenken. Es gibt Alternativen! Wir können mehr Frieden, mehr Gerechtigkeit, mehr gelungenes Leben erreichen! Informationen zum Diskussionsprozess finden Sie in diesem Heft ( Seite 9ff).
Wer kriegt was? Das Motto weist darauf hin, dass wir weiter denn je davon entfernt sind, mit den Gütern der Erde gerecht umzugehen. Oft erfüllt mich Trauer, dass das Ziel der sozialen Gerechtigkeit in der totalitären Praxis des 20. Jahrhunderts so radikal diskreditiert wurde. Es hat viel mit der Gerechtigkeit zu tun, von der die Propheten des Alten Testaments und Jesus sprechen. In der berühmten Stelle "Schwerter zu Pflugscharen" aus dem Propheten Micha heißt es: "Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken" (Micha4,4). Soviel an sozialer Gerechtigkeit also gehört zum Frieden, den die Bibel im Blick hat, dass jeder und jede einen Weinstock und einen Feigenbaum hat, um darunter zu wohnen und davon zu essen.
Frieden und Gerechtigkeit gehören "zulauf", wie Luther sagen würde. Das haben wir inzwischen verstanden. In der AGDF haben wir uns in letzter Zeit besonders mit dem Problem der Gewalt, dem anderen großen Feind des Friedens, beschäftigt. Wir versuchen, Gewaltfreiheit nicht nur als negative Bestimmung - Abwesenheit von Gewalt - zu sehen, sondern als eine positive, starke Lebenshaltung zu begreifen. Darin schwingen Mut, Gerechtigkeit, Güte und innere Gewissheit mit.
Ich wünsche Ihnen in der Begegnung mit anderen Menschen viele solcher gewaltfreier Erfahrungen!
Michael Mildenberger ( Vorsitzender des AGDF)
Diese Handreichung für Kirchengemeinden zur FriedensDekade 6. - 16. November 2005 erhalten Sie:
Inder Arbeitsstelle Gewalt überwinden
oder bei:
Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden e.V.
Tel. 0228/24999-0
Fax: 0228/24999-20
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