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Abschluss der Dekade zur Überwindung von Gewalt in der Nordelbischen Kirche
Eingestellt am: 25.10.2011

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Eröffnungs- Grußwort Bischöfin Maria Jepsen

Grußwort: Mittlerer Osten, Kulturwochen, 11.11.06, 18.30 Uhr, St. Johannis, Bischöfin Maria Jepsen

 Wenn man das Abendland einmal für ein paar Minuten als Mitte der Welt betrachtet – und gefühlsmäßig tun die meisten von uns das, die hier geboren und aufgewachsen sind,  – also: wenn man das Abendland als Mittelpunkt der Welt betrachtet und dann nach Westen und nach Osten blickt und sich dabei fragt: was hat uns der Westen gebracht, was haben wir kulturell dazubekommen?  und: was hat uns der Osten gebracht, der Orient?       Dann ergibt sich, ganz grob gesprochen, Erstaunliches: aus dem Osten bekamen wir die Heiligen Schriften und die Zahlen, die arabischen Zahlen, mit denen wir rechnen.Und aus dem Westen: die Comics und die Tabakblätter aus Virginia und Hollywoods Filme. Ja, und die Musicals. Aber nichts im Vergleich zu den orientalischen Gaben.Weder die Mythen des Nordens, deren Rudimente sich noch  in der germanischen Bezeichnung unserer Wochentage finden, noch die des Südens, des afrikanischen Kontinents und auch nicht die des Fernen Ostens – haben so tiefgreifenden Einfluss auf unser Denken und Fühlen genommen, wie die geistigen und geistlichen Errungenschaften des Orientostens. Die Heiligen Schriften und die Zahlen –     Orient und Okzident, Abendland und Morgenland, sind sich viel mehr Nachbarn, als vielen bewusst ist. Auch das Europa lange prägende Christentum mit seiner jüdischen Herkunft ist im Grunde ja eine orientalische Religion. Der Orient ist es, neben allen hellenistischen Einflüssen, der mit seinen Mythen und Glaubensgeschichten und mit seiner Gelehrsamkeit Europa zum Blühen gebracht hat. Ex oriente lux.Bis dann irgendwann weit nach den räuberischen Kreuzzügen, – und ich weiß nicht welche Jahreszahl, welche Epoche man herausgreifen muss, ob es 1483 war oder 1492 – Kulturwissenschaftler werden darüber Auskunft geben können – Europa sich drehte und dem orientalischen Osten den Rücken und die kalte Schulter zuwandte und die Gespräche und der Austausch sich dramatisch verringerten. So wurden die Glühbirnen (1877) des Thomas Alva Edison erregender als ex oriente lux und seine Kinematographen auch.  Der Okzident guckt seitdem vornehmlich nach Westen, über den großen Teich, lernt Englisch und Kapitalistisch und kennt aus dem Osten, dem Nahen und Mittleren Osten nicht das Arabische und seine Schwestersprachen, sondern vor allem die Sprache der Waffen, die weltweit überall gleich und schrecklich ist.         Und der Westen, wir, gaukelt sich, gaukeln uns in berüchtigter Arroganz vor, der Nahe und Mittlere Osten sei arm und rückständig und reich nur an Konflikten, Öl und Waffen. Von Orangen, Datteln und Feigen und den Sesampflanzen abgesehen.   Selbst Goethe scheiterte seinerzeit bei seinem Versuch, mit seinem West-östlichen Diwan neues Interesse an nahöstlicher Kultur zu wecken. Lessings Nathan der Weise war ein kurzer Lichtblick, und Mozart ebenso.Die Literatur, die Kunst, die Musik, die Tänze, die Filme aus dem Vorderen Orient, trotz aller Versuche der Kennerinnen und Spezialisten, stehen im Schatten und sind unbekannt. Europas Rücken hat weder Augen noch Ohren. Dabei braucht es keine kopernikanische Wende, das kulturelle Leben des Mittleren Ostens wahrzunehmen – wir müssten uns nur umdrehen, Schultern und Rücken wenden und unsern Nachbarn Nachbarn sein wollen. Im übertragenen Sinn weltpolitisch, und realiter, hier in Hamburg. Wir wissen doch, Mitglieder der Völker des Nahen Ostens leben in dieser Stadt hier neben uns.       So findet sich in meiner Dienstwohnung ganz hier in der Nähe ein arabischer Gebetswunsch an der Decke, - ein Vorbewohner kam aus dem Orient oder Andalusien.Wir haben viel mehr Gemeinsames, als viele meinen, hier in Hamburg, und ich merke es immer wieder auf Reisen, bei Besuchen im Orient – es muß nur neu für andere gezeigt werden.      So bin ich außerordentlich froh über die Veranstaltungsreihe Salaam Aleikum, die Kulturwochen Mittlerer Osten, die hier in Hamburg stattfinden, und die parallel in Kiel stattfindende Kulturwochen Nahost - peace in art. Es soll stärker als bisher Licht ins Dunkel, in den Schatten gebracht werden, unser Bewußtsein aufklären, unsere Gefühle füreinander positiv-kritisch aufladen. Diese Veranstaltungen werden zeigen, wie viele interkulturelle und interreligiöse Kontakte es längst gibt, wie kirchliche und andere Institutionen längst im interkulturellen, ökumenischen und interreligiösen Austausch miteinander sind. Ich wünsche allen Veranstaltungen ein gutes Echo und interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Doch vor allem einen Zuwachs an Interesse und Einfühlung in diesen Teil unserer gemeinsamen Welt, als Impuls für den Frieden sowieso. Zum Schluss:    In der Zentralgeschichte des Abendlandes, der Geschichte von Christi Geburt, tauchen mit einem Mal Weise aus dem Morgenland auf. Sie legen, leider stumm, ihre Schätze vor dem Kind nieder und verschwinden wieder, wort- und klanglos im Dunkel der Geschichte.Die Weisen aus dem Morgenland: die Kulturwochen holen sie zurück aus dem Dunkel und lassen sie reden, ihre Nachfahren, reden und singen, musizieren und tanzen, kochen auch, diskutieren, klagen und hoffen, beten auch.Wir hören ihnen zu während dieser Wochen: lassen Sie uns unsere gegenseitige Aufmerksamkeit steigern, damit wir uns besser kennenlernen und erfahren, welche Probleme sie plagen, welche Perspektiven sie entwickeln, welche Hoffnungen und welchen Reichtum sie haben. Tauschen wir uns aus!  Freuen wir uns wie Kinder, neugierig und aufmerksam, auf diese Begegnungen!