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8.11. 2007 19:00 Uhr Eröffnung der Ausstellung
„Ich wurde mutiger. Der Pankower Friedenskreis – politische Selbstbehauptung und öffentlicher Widerspruch“ mit einem Vortrag der Ausstellungsgestalterin Dr. Marianne Subklew eröffnet.
Ort: Grenzdokumentationsstätte Lübeck Schlutup 23568 Lübeck Mecklenburger Str. 12
Die Ausstellung zeigt auf über 40 Tafeln, wie es Menschen geling, auch in einer diktatorischen Gesellschaft wie es die DDR war, sich ihre Würde zu bewahren. Außerdem werden auf thematischen Tafeln z.B. die Bespitzelung durch die Staatsicherheit gezeigt.
Hintergründe
Der Pankower Friedenskreis Immer mehr Menschen hatten zu Beginn der 80er-Jahre Angst vor einem atomaren Krieg in Europa, sie litten unter einer spürbar wachsenden Militarisierung der DDR-Gesellschaft und suchten nach Wegen, Bedrohungsängste in Engagement und Schweigen in Reden wandeln zu können. Die so entstandene regierungsunabhängige Friedensbewegung war der DDR-Regierung ein Dorn im Auge. Folge dieses Misstrauens waren jahrelange Bespitzelungen solcher Kreise und seiner Mitglieder. Für manche war diese Situation und die aus ihr erwachsenen Folgen u.a. beruflicher Benachteiligung so unerträglich, dass sie die DDR verlassen mussten. Für andere wiederum waren solche Kreise „der einzige Grund in der DDR zu bleiben.“
Ein solcher Kreis war der Friedenskreis der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Pankow. An Hand seiner Geschichte kann exemplarisch gezeigt werden, welche vielfältigen Formen und Möglichkeiten des Widerstandes und des aufrechten Ganges es in totalitären Regimen gibt. Die Mitglieder waren keine Helden, es waren Frauen und Männer, Mütter und Väter, die an einem Punkt ihres Lebens sagten : „wir halten unser Schweigen nicht mehr aus.“
Der Ansatz der Ausstellung
„Wer etwas über Geschichte erfahren will, muß Biografien lesen und zwar nicht die Biografien von Staatsmännern, sondern die viel zu raren Biografien der unbekannten Privatleute. Dort wird er sehen : das eine historischen Ereignis zieht über das private, d.h. das wirkliche Leben hin wie eine Wolke über einen See. Nichts regt sich, nur ein flüchtiges Bild spiegelt sich. Das andere Ereignis peitscht den See auf wie Sturm und Gewitter, man erkennt ihn kaum wieder. Das dritte besteht vielleicht darin, das alle Seen ausgetrocknet werden. Ich glaube Geschichte wird falsch verstanden, wenn man diese ihre Dimension vergißt.“ (Sebastian Haffner, Geschichte eines Deutschen)
Dieses Zitat spiegelt den Ansatz, die Ausstellung zu gestalten, wider. Die erzählte Erinnerung der Beteiligten und die Erschließung gruppeneigener Dokumente stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Mit der oral history - Methode wurden Teilnehmer des Friedenskreises, Gemeindekirchenratsmitglieder, Mitglieder anderer Berliner Gruppen, Journalisten und kirchenleitende Personen interviewt. Zusätzlich wurden die Interviewten porträtiert und die Tafeln mit einem handgeschrieben Lebenslauf vervollständigt. Dahinter steht der Ansatz, dass die Geschichte derer, die sich damals für eine politische Selbstbehauptung einsetzten, heute nicht primär aus den Akten der DDR-Machthaber rekonstruiert und begriffen werden sollte. Diese Art von Geschichtsschreibung und –deutung hat in den Jahren nach 1989 Hochkonjunktur gehabt. Aus MfS-Akten wurde z.B. das Verhalten der Kirchen in der DDR be- bzw. verurteilt. Ergänzt werden diese biografischen Tafeln durch über 20 thematische Tafeln, die u.a. die Gründung des Kreises, sein Selbstverständnis, die Vernetzung innerhalb der DDR-Opposition sowie Aktionen und die Zersetzung durch das MfS dokumentieren.
Die Ausstellung
Am 16. November 2001 wurde in Berlin in Gegenwart von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, der Schriftstellerin Christa Wolf, dem Theologieprofessor Wolfgang Ullmann u.a. die Ausstellung „Ich wurde mutiger – Der Pankower Friedenskreis, politische Selbstbehauptung und öffentlicher Widerspruch“ eröffnet.[1]
Die Autoren:
Diese Ausstellung wurde künstlerisch von dem Berliner Grafiker Martin Hoffmann betreut. Alle dazu nötigen Archivrecherchen, Interviews und Texte wurden von Dr. Marianne Subklew erstellt bzw. geschrieben
Dr. Marianne Subklew
Geb. 1963 in Greifswald, Elektriker-Lehre mit Abitur,
1982 –1992 Theologiestudium am Sprachenkonvikt in Berlin, Leipzig und am Quäker-College Birmingham, 2.Theol.Examen 1992, danach Korrespondentin des evangelischen Pressedienstes (epd). 1995-2000 Pfarrerin an der Greifswalder Marienkirche. 2001 Ausstellung über den Pankower Friedenskreis in Berlin eröffnet, seit 2002 Promotionsstipendiatin der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, 2003 Promotion im Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der FU Berlin. Die verheiratete Mutter von 4 Kindern lebt seit 2002 mit ihrer Familie in Hamburg.
Martin Hoffmann
1948 Halle/Saale geboren, Mathematikstudium in Halle und Berlin, 1972-1974 Abendstudium an der Kunsthochschule Berlin, seit 1975 freischaffender Maler und Grafiker in Berlin, ab 1991 Buchgestaltungen für Gerhard Wolf Janus Press. Von 1993 an grafische Arbeiten für die Kurt Tucholsky Gedenkstätte im Schloß Rheinsberg und seit 1995 für die Kammeroper Schloß Rheinsberg. Seit 1976 Einzel – und Gruppenausstellungen im In- und Ausland. der Vater von zwei Kindern lebt und arbeitet in Berlin
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[1] Inzwischen wurde die Ausstellung in Burg Steinfurt bei Münster, in Greifswald, Stralsund, Erfurt, Dresden, in der deutschen Botschaft in Kopenhagen, Hamburg, Rostock und ein zweites Mal in Berlin gezeigt. Anfragen aus anderen Städten liegen vor.
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