Dieses Märchen, und vor allem diese Zeilen sagen so gut wie jedem etwas, der die Märchenwelt kennt. Es ist das Märchen vom Rotkäppchen, das der Großmutter Wein und Kuchen zum Geburtstag bringen möchte und im Haus seiner Großmutter nicht bemerkt, dass ein Wolf und nicht die Großmutter im Bett liegt. Und so wird das naive Rotkäppchen vom bösen Wolf gefressen. Doch am Ende wendet sich alles zum Guten, so wie wir es aus jedem Märchen kennen.
Seit mehr als 200 Jahren wird dieses Märchen neben vielen anderen ähnlich gewaltbelasteten Märchen (wie z.B. Schneewittchen, Aschenputtel, Hänsel und Gretel, Die Gänsemagd etc.) Kindern erzählt. Dass diese Märchen seit so langer Zeit immer noch derart bekannt sind, verdanken wir den Gebrüdern Grimm, die in den Jahren 1806 bis 1815 bis zu diesem Zeitpunkt mündlich überlieferte Märchen gesammelt, aufgeschrieben und schließlich die „Kinder- und Hausmärchen“ herausgegeben haben. Darüber hinaus zeugt der hohe Bekanntheitsgrad dieser Märchen auch von einer äußerst hohen Popularität, ohne die jene Märchen trotz der schriftlichen Überlieferung vermutlich ausgestorben wären.
Dennoch muss man sagen: Die Geister scheiden sich an Märchen. Es gab und gibt viele Stimmen, die sagen, dass (v. a. die Grimmschen ) Märchen den Kindern schaden und bei ihnen Ängste hervorrufen. Doch ist ebenso deutlich die Ansicht vertreten, dass Märchen Kindern eine positive Botschaft vermitteln, da die Bösen immer verlieren. Zudem gebe es immer eine klare Grenze zwischen Gut und Böse; Märchen sind schwarz und weiß gestaltet und würden so den Kinder eindeutige moralische Grundsätze einfach vermitteln.
So wird das Böse am Ende immer bestraft: Die böse Königin aus „Schneewittchchen“ muss sich in glühenden Schuhen zu Tode tanzen, die bösen Stiefschwestern aus „Aschenputtel“ schneiden sich nicht nur selbst Ferse oder Zehen ab, um in den Schuh von Aschenputtel hineinzupassen, ihnen werden am Ende auch noch von den Tauben beide Augen ausgepickt, Rumpelstilzchen reißt sich selbst entzwei und die Hexe in „Hänsel und Gretel“ wird bei lebendigem Leibe verbrannt. Es mag fraglich sein, ob die Märchen dadurch bei Kindern Ängste hervorrufen oder eindeutige Wertevorstellungen fürs Leben hinterlassen, Tatsache ist, dass sie seit über 200 Jahren nicht unterzukriegen sind. Deswegen möchten wir uns mit diesem Thema auseinandersetzen.
Wir wollen in diesem Referat die Gewalt und Gewaltphänomene an Märchen der Gebrüder Grimm und an den Märchen von Hans Christian Andersen untersuchen. Wir geben Gewaltbeispiele, vergleichen und analysieren sie, zeigen den Vergleich von den Originalmärchen mit den Märchen von heute auf, die oft aus pädagogischen Gründen verändert und verschönt wurden. Zum Schluss finden Sie noch einen eigenen Versuch unsererseits ein völlig gewaltfreies Märchen zu entwickeln. Wir hoffen Ihnen so einen Einblick in das Thema „Gewalt in Märchen“ zu gewährleisten.